Auseinandersetzung mit der Geschichte

30. Januar 2016  Allgemein, Gemeinderat, Karlsruhe
fahne-taubeIm Mai 2014 haben Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos im Gemeinderat in einer Anfrage auf die Verbrechen der 35. Infanteriedivision hingewiesen, deren Veteranen in den 1960-er Jahren mit Billigung und Unterstützung der damaligen Stadtverwaltung ein Ehrenmal für ihre in Karlsruhe aufgestellte Division am Haydnplatz errichten ließen.
Nun weist eine Stele neben dem Ehrenmal auf diese Verbrechen 1944 in Weißrussland hin.

Dazu der Artikel aus den BNN, 28.01.2016

Stele weist auf Verbrechen der 35. Infanteriedivision hin / Gräueltaten beim Rückzug aus Weißrussland

Gedenkstein steht unter Denkmalschutz

Von unserer Mitarbeiterin Martina Erhard

Seit 1964 gibt es in Karlsruhe einen Gedenkstein für die 35. Infanteriedivision, die in Karlsruhe stationiert und im Zweiten Weltkrieg unter anderem an den Angriffen auf Belgien, Frankreich und die Sowjetunion beteiligt war. Um den Stein nicht unkommentiert im öffentlichen Raum zu belassen, wurde gestern auf dem Grünstreifen zwischen der Südlichen und Nördlichen Hildapromenade neben dem Gedenkstein eine Stele enthüllt, auf der Passanten Informationen über die Gräueltaten der Division nachlesen können.„Die Verbrechen der 35. Infanteriedivision wurden lange nicht zur Kenntnis genommen“, so Oberbürgermeister Frank Mentrup, der die Stele zusammen mit Alt-OB Heinz Fenrich enthüllte. „Mit dieser Stele wollen wir ein Zeichen setzen und gleichzeitig das Angebot machen, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen“, meinte Mentrup und erklärte, dass sich die Stadt von der in den 1960er Jahren erteilten Genehmigung für den Gedenkstein distanziere. „Wir lehnen heute den militaristischen Geist, der von ihm ausgeht, ab.“ Eine Entfernung des Steins sei jedoch aufgrund des Denkmalschutzgesetzes nicht möglich.

Über Jahrzehnte war der Gedenkstein nicht beachtet worden. Stadträte der Linken hatten aufgrund einer Anregung auswärtiger Besucher schließlich im Gemeinderat den Antrag gestellt, das Denkmal entfernen zu lassen. Die Fraktionen fassten jedoch den Entschluss, das Stadtarchiv mit Recherchen über die 35. Infanteriedivision zu beauftragen. Im November 2014 fand zu diesem Zweck ein Symposion statt. Aus dessen Mitte kam der Vorschlag für die kommentierende Stele, die über die Kriegsverbrechen der Division informiert. So erfährt man unter anderem, dass die Einheit im März 1944 bei ihrem Rückzug aus Weißrussland etwa 45 000 Zivilisten bei Minusgraden in ein Sumpfgebiet getrieben hat. Mindestens 9 000 dieser Menschen kamen dabei ums Leben.

Es sei gut, solche Gedenksteine, die mitten in der Stadt stünden, zu kommentieren und den Passanten wichtige Informationen an die Hand zu geben, sagte Ernst Otto Bräunche, Leiter des Stadtarchivs. Es sei allerdings nicht realisierbar, alle Kriegerdenkmäler zu kommentieren, so wie dies teilweise gefordert werde.