Die Brettener Linke hat es aufgemischt ….

Badische Neueste Nachrichten | Brettener Nachrichten | BRETTEN | 19.05.2014

80 Beamte durchsuchen Deuerer

Staatsanwalt: „Es besteht ein Anfangsverdacht“

Von unserem Redaktionsmitglied Christina Zäpfel

Bretten. Razzia bei Deuerer: Mit 80 Beamten war die Polizei am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr zu einer groß angelegten Durchsuchungsaktion im Rinklinger Tal in Bretten ausgerückt. Bereits im Sommer 2013 berichteten die BNN über Ungereimtheiten bei den dort angestellten Leiharbeitern und Menschen mit Werkverträgen.

Weitere Medienberichte folgten. Der Druck aus der Bevölkerung und von politischen Parteien auf den Brettener Großunternehmer wuchs. Jetzt scheinen offensichtlich auch die Behörden am Fall Deuerer und seinem Umgang mit den Arbeitern Interesse zu haben. Denn, so melden Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium gestern Abend: Es geht um mögliche Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz.

Konkret heißt das: „Es besteht der Anfangsverdacht, dass bei dem Tiernahrungshersteller Personen über die gesetzlich zulässige tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden sowie ohne Genehmigung an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden“, heißt es wörtlich von Staatsanwalt Rainer Bogs. Ob sich dieser Verdacht freilich erhärten lässt, blieb gestern Abend völlig unklar.   Zur Überprüfung möglicher Verstöße gegen arbeitszeitrechtliche Vorschriften wurden laut Bogs von allen angetroffenen Deuerer-Mitarbeitern die Personalien festgestellt, zahlreiche Beschäftigte als Zeugen befragt sowie Unterlagen gesichtet.

Ob bei Deuerer also tatsächlich illegale Sonn- und Feiertagsarbeit ohne Genehmigung oder sonstige Arbeitszeitverstöße stattfinden, müsse nun vom Arbeitsbereich Gewerbe/Umwelt des Polizeipräsidiums Karlsruhe und der Staatsanwaltschaft Karlsruhe untersucht werden. Inwieweit diese möglichen Verstöße in Zusammenhang zu bringen sind mit dem oft kritisierten Thema Leiharbeit und Werkvertrag ist ebenfalls völlig offen. Ein Gutteil der Belegschaft ist nach BNN-Recherchen nicht fest angestellt, sondern über Leiharbeit und Werkverträge. Zumal gestern Abend, als die Razzia vermeldet wurde, über die schlichte Information des Großeinsatzes hinaus, niemand mehr aus den Ermittlungs-Behörden für Auskünfte zur Verfügung stand.

Auch von der Firma selbst war am Sonntagabend niemand zu erreichen. Lediglich ein Mitarbeiter des Tierfutterherstellers zeigte sich am Telefon gegenüber den BNN hörbar gereizt. Von der Geschäftsleitung gab gestern Abend niemand eine Stellungnahme ab.

Eigentlich, so schien es, wollte Deuerer wieder mit positiven Nachrichten Schlagzeilen machen. Immerhin rangiert der Tierfutterfabrikant unter den Top drei in Europa. So hatte erst am Freitagnachmittag ein Medienbüro aus Stuttgart im Auftrag der Firma eine Einladung zum Richtfest der neuen Firmengebäude in Gölshausen verschickt. Es soll Ende Mai stattfinden. Erstmals war darin die Rede davon, dass man für den Umzug von Rinklingen nach Gölshausen und die Expansion rund 30 Millionen Euro in die Hand nehmen wolle.

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FÜR DIE ARBEITSZEITEN VON DEUERER-MITARBEITERN – hier ein Archiv-Foto – interessieren sich jetzt auch die Behörden. 80 Polizisten durchsuchten gestern den Tierfutterhersteller. Deuerer gehört zu den Top drei der Branche in Europa Foto: Waidelich