Fregatte “Karlsruhe” weiter im Kriegseinsatz

21. Januar 2018  Allgemein, Karlsruhe

Fregatte Karlsruhe im Kieler Hafen. (Foto: Wikimedia / Darkone CC BY-SA 2.0)

Das Verteidigungsministerium hat die Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE zu „Ansprengversuchen und Beschuss der Fregatte Karlsruhe“ beantwortet (Drucksache 19/323). Jetzt wird der Name „Karlsruhe“ nach vielen Marinekampfeinsätzen zwar nicht mehr auf den Weltmeeren vertreten sein, aber mit der Optimierung der Bundeswehrrüstung und der Rüstungsindustrie verbunden.

Die Ansprengversuche und der Beschuss der deutschen und niederländischen Marine sollen in einem als militärisches Sperrgebiet zwischen Damp und Port Olpenitz stattfinden. Der NABU befürchtet erhebliche Schäden an der Meeresumwelt. In dem Sperrgebiet lebt eine der größten Kolonien der streng geschützten Schweinswale, haben Dorsche ihre Laichplätze und befindet sich eine bedeutende Uferschwalbenkolonie. Die Schockwellen der Sprengungen können noch in 7 Kilometer Entfernung bspw. einen Schweinswal töten oder schwer verletzten. Das Umweltministerium Schleswig-Holstein wurde vom Verteidigungsministerium nicht kontaktiert. (https://schleswig-holstein.nabu.de/news/2018/23733.html)

Laut Wehrtechnische Dienststelle Eckernförder habe man für die Tests mit der „Karlsruhe“ dafür ein relativ modernes Schiff. Deutlich wird, dass die Bundeswehr ihre Marine für weltweite Kampfeinsätze optimieren will, wenn der Verantwortliche „für das Projekt Ex-Karlsruhe“ Schönrock sagt: „Dabei geht es dann darum zu sehen, wie die Wirkung von sogenannten asymmetrischen Bedrohungen auf das Schiff ist.“ (Kieler Nachrichten 22.07.17) Asymmetrischer Bedrohung heißt Kampf gegen „Terroristen, Piraten oder Milizen“.  Die deutsche Marine soll mit den Versuchen für Kampfeinsätze ähnlich wie vor Lybien, Somalia oder dem Libanon fit gemacht werden.

Rüstungsfirmen sind auch an den Spreng- und Beschusstests beteiligt. Die Ergebnisse werden so direkt für die Rüstungsindustrie verwertbar. Deutsche Rüstungsschmieden sind weltweit führend im Munitionsgeschäft und beim Verkauf von Kriegsschiffen und U-Booten.Beteiligt ist die Firma Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) aus Ottobrunn. Seit 1961 ist sie für die Bundeswehr tätig. Seinerzeit ließ Franz-Josef Strauß als Verteidigungsminister diese Firma gründen. Die Bundeswehr hat dort eine Außenstelle seines Beschaffungsamtes.

Die „Karlsruhe“ wird derzeit in Kiel für die Beschuss- und Sprengversuche ausgerüstet. Im ersten Halbjahr 2018 soll die 130 Meter lange Fregatte im Sperrgebiet ersten Unterwasser-Sprengversuchen ausgesetzt werden und auch ein Bombardierungsversuch aus der Luft erfolgen. Danach soll bis 2019 hinein die „Karlsruhe“ über Wasser aus leichten Waffen und Kanonen sowie mit Raketen beschossen werden. Über die genaue Ladungsstärke der Sprengladungen gab das Verteidigungsministerium keine Auskunft. Aus Versuchen von NATO-Partnern mit ähnlichen Kriegsschiffen ist bekannt, dass bis 4,5 Tonnen TNT-Äquivalent eingesetzt wurden. Bei den etwa 20 Sprengungen werden die Ladungen schrittweise auf mehrere Tonnen Sprengkraft erhöht.

Anstatt einer Verschrottung ist die „Karlsruhe“ nun Versuchslabor für Kriegseinsätze. Und eine neues Kriegsschiff „Karlsruhe“ wie es bei der Außerdienststellung von der Karlsruher Gemeindertsdelagation und Alt-Ob Fenrich gefordert wurde? DIE LINKE wird sich gegen diese Ansinnen weiter stellen.