Karlsruher Drogeriekonzern dm bietet Pfefferspray an. DIE LINKE fordert erneut Verbot des Reizstoffes.

27. August 2016  Allgemein

2016-gegen-pfeffersrpayDer Karlsruher Drogeriekonzern dm bietet in seinen Läden und seinem Online-Shop die Distanzwaffe Pfefferspray an und will so Profit aus der aufgeheizten Stimmung nach der Kölner Sylvesternacht und den Anschlägen in Bayern schlagen. Unter dem Namen “Tierabwehrspray” verkauft dm für 5,95 € diese Waffe.

Wir zitieren hier aus einem Artikel der Tageszeitung Junge Welt vom 27.08.2016:

Warnung vor Militarisierung der Gesellschaft
Drogeriemarktkette bietet Pfefferspray an. Linkspartei fordert erneut Verbot des Reizstoffes
Von Markus Bernhardt

Die deutsche Bevölkerung rüstet auf. Offenbar aufgestachelt durch öffentliche Debatten um die Übergriffe in der Sylvesternacht in Köln und die Anschläge von München, Würzburg und Ansbach (jW berichtete), greifen immer mehr Menschen zu Distanzwaffen wie Pfefferspray. Die Drogeriemarktkette »dm« hat es mittlerweile in ihr Sortiment aufgenommen. Die Begründung: Es habe »vermehrt Anfragen von Kundinnen« gegeben, die das Spray »in gewohnter Einkaufsumgebung kaufen wollten«, so »dm«-Geschäftsführer Sebastian Bayer vor wenigen Tagen gegenüber dem Berliner Tagesspiegel. Bayer zufolge sei die Resonanz der Kundinnen »überwiegend positiv«.

Die Linkspartei ist über diese Entwicklung entsetzt. Sie wirft dem Konzern vor, »aus Profitinteresse Ängste zu schüren«. »Offensichtlich steht für ›dm‹ der Umsatz über der Gesundheit von Menschen. Der Konzern organisiert niedrigschwellig eine Selbstbewaffnung, Verletzungen werden in Kauf genommen«, monierte Özlem Demirel, Landessprecherin der NRW-Linken, am Donnerstag. Demirel forderte die Geschäftsleitung der Drogeriemarktkette auf, die als »Tierabwehrspray« deklarierte Waffe »sofort aus dem Sortiment zu nehmen«. Laut eigener Darstellung will »›dm‹ zu ›Wohlbefinden und Wohlstand beitragen‹, hierzu handelt der Konzern im krassen Gegensatz«, stellte sie klar.

Tatsächlich warnen Experten schon seit geraumer Zeit vor dem Einsatz des gefährlichen Reizstoffes, der erhebliche Verletzungen verursachen kann und in der Vergangenheit bereits zu Todesfällen führte. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Karin Binder hat sich schon mehrfach dafür ausgesprochen, den Einsatz von Pfefferspray nicht nur für Privatpersonen, sondern auch im Rahmen von Einsätzen der Polizei bei Demonstrationen zu verbieten. »Weder möchte ich, dass es zu einer weiteren Militarisierung der Innenpolitik noch der Gesellschaft selbst kommt«, sagte sie am Freitag auf jW-Anfrage. Der Einsatz von Pfefferspray sei nicht nur für dessen Opfer, sondern auch für diejenigen gefährlich, die es einsetzten, warnte sie. Personen, die sich mit den Sprühgeräten ausrüsten, wähnten sich außerdem in »falscher Sicherheit«. Auf ihrer Internetseite hat die Linke-Bundestagsabgeordnete ein Dossier zum Thema Pfefferspray veröffentlicht.

In einer als »Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch« eingestuften Broschüre des Polizeitechnischen Institutes (PTI) der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, die den Titel »Handhabungshinweise für Reizstoff-Sprühgeräte mit Pfefferspray« trägt, weist selbst die Ausbildungsstätte explizit auf die von dem Reizstoff ausgehende Gefahr hin. Vor allem für Opfer eines Einsatzes von Pfefferspray, die unter »Drogeneinfluss stehen und/oder sich zuvor heftig körperlich angestrengt haben«, sowie für Personen, die auf die Einnahme von Psychopharmaka angewiesen sind, kann das Spray im schlimmsten Fall tödlich enden.

Gegenüber dem Tagesspiegel warnte auch die Berliner Polizei vor der Ausrüstung von Privatpersonen mit dem Reizstoff und riet »grundsätzlich von einer Schutzbewaffnung ab«. »Wenn die Polizei vor der Gefährlichkeit von Pfefferspray warnt, hat sie recht. Sie sollte aber so ehrlich sein, diese Kritik auch gegenüber sich selbst anzubringen«, betonte Jasper Prigge, innenpolitischer Sprecher der Linkspartei in NRW. »Das Pfefferspray sitzt zu locker. Wir fordern deshalb ein gesetzliches Verbot auch für den Einsatz durch Ordnungsbehörden und die Polizei«, sagte er gegenüber dieser Zeitung. Unterdessen schließt »dm« nicht aus, sein Pfefferspray-Angebot künftig noch auszuweiten, so Geschäftsführer Bayer am vergangenen Sonntag gegenüber dem Berliner Tagesspiegel: »Wenn uns geeignete Produkte begegnen, prüfen wir diese gern«.