Michel Brandt berichtet aus Moria

27. Mai 2021  Allgemein

Michel Brandt ist mit Janine Wissler und Gökay Akbulut auf Lesbos um sich selbst ein Bild von den menschenunwürdigen Zuständen vor Ort zu machen.
Heute waren sie in #KaraTepe, auch #Moria2 genannt, dem “Übergangslager” in das die Menschen gebracht wurden nachdem #Moria abbrannte.

Delegationsbericht: Heute Vormittag waren wir mit der Delegation im Lager #Moria2. Die Situation hier ist wirklich erschütternd. Die Lebensbedingungen sind katastrophal. Die politische und mediale Aufmerksamkeit darf nicht abreißen, denn so kann es einfach nicht bleiben.

In Moria 2 müssen mehr als 6.150 Menschen ausharren, weil die EU ihnen menschenwürdige und selbstbestimme Unterbringungen und grundlegende Rechte verwehrt. Schutzsuchende sind mit Stacheldraht eingezäunt und dürfen das Lager nur selten und kurz verlassen. Die Situation verschärft sich laufend.
Auch im Sommer sind schutzsuchende Menschen den Wetterbedingungen fast schutzlos ausgesetzt, von Hitze und praller Sonne bis hin zu Schlamm, Regen und Sturm. Nur zwei Mal am Tag bekommen sie Trinkwasser, insgesamt 1,5 bis 2 Liter. Genauso prekär ist die medizinische und psychologische Versorgung. Man muss sich das klar machen: Pandemie, kein Strom, kein fließendes und kaum Trinkwasser, tausende Menschen auf engsten Raum eingesperrt, umzäunt, kontrolliert und überwacht – die EU erzeugt hier bewusst menschenfeindliche Zustände und setzt auf Abschreckung und Abschottung statt Schutz.
Hier werden auf europäischem Boden Menschenrechte und die Genfer Flüchtlingskonvention mit Füßen getreten!

Es sind wirklich unerträgliche Zustände! Die Lager müssen aufgelöst werden und zwar so schnell wie möglich. Die Bundesregierung muss Verantwortung übernehmen.