Volles Haus bei Gysi im Tollhaus

19. Mai 2014  Karlsruhe, Meldungen
Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 19.05.2014

„Wir wollen eine Vermögensabgabe“

Gregor Gysi sprach bei den Linken im Tollhaus

kdm. Viele Begrüßungsworte waren nicht notwendig. Noch verlor Niko Fostiropoulos einige Sätze über das Kommunalwahlprogramm seiner Partei, da stand Gregor Gysi auch schon auf dem Absatz der Stufen zur Bühne. Und schnurstracks begann der Hauptredner der Wahlveranstaltung der Linken, seine Positionen und Gedanken ins voll besetzte Tollhaus zu bringen.

Dass es für den Berliner ein Heimspiel werden sollte, wurde schnell deutlich. Immer wieder brandete Applaus auf, verfielen die Köpfe reihenweise ins Nicken. Keine Frage, Gysi verstand es von Anfang an, sein Publikum abzuholen. Seine rhetorische Mischung aus Polemik, Fakten, Standpunkten, Einschätzungen und seine Fähigkeit, dem Zuhörer das Gefühl zu geben, ich bin einer von euch und denke wie ihr, kam an und kumulierte sich im Saal in hörbare „Ja, so is’ es, der hat Recht, sag’ ich doch“.

Schwer machte es Gysi seinem Publikum ohnehin nicht, ihm zu folgen. Dafür hatte er ein ganzes Arsenal griffiger Aussagen parat: „Europa braucht mehr soziale Wohlfahrt und mehr Demokratie. Wir wollen eine Vermögensabgabe. Profit zählt mehr als der Hungertod von Millionen Menschen auf der Welt. Nach 1990 haben Nato und die EU (mit Blick auf den Osten und Russland) so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.“

Eine dicke Lanze brach er unter dem Applaus seiner Zuhörer für Putin und Russland. Das im Westen gezeichnete Bild stimme so nicht. Die „anderen“ hätten nämlich auch viele Fehler gemacht. Noch mehr Applaus gab’s für ihn bei seiner Forderung, „wir müssen lernen uns von den USA zu emanzipieren“. Dem Außenpolitiker Gysi folgte sodann der Innen- und Wirtschaftspolitiker Gysi: Gesteigert werden müsse die Binnenwirtschaft – auch durch die Erhöhung der Löhne, Renten, wie überhaupt durch anständige Bezahlung. „Und wir müssen die Besserverdienenden mehr belasten, um dadurch den Mittelstand zu entlasten.“

In ähnliche Kerben, wenngleich nicht ganz so tief, schlug zuvor –beim Warten auf Gysi –der linke Gemeinderatskandidat Niko Fostiropoulos. In Karlsruhe müsse die Politik der Prestigeobjekte aufhören. In diesem Zusammenhang nannte er die U-Strab, das neue Stadion und genauso die millionenschweren Subventionen für die Messe und den Regionalflughafen. Vielmehr brauche man kostenlose Kitas, bezahlbaren Wohnraum und eine Mietpreisbindung.

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