Whistleblower-Preis , 16. Oktober 2015, 19:30 Uhr, Bürgersaal im Karlsruher Rathaus

2015-10-16-wb-preisDie deutsche Sektion der Juristinnen und Juristen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA) und die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) haben zusammen den Whistleblower-Preis gestiftet. Er wird vergeben an Persönlichkeiten, die – häufig unter Inkaufnahme beträchtlicher Risiken für Arbeitsplatz und Karriere – Missstände aufdecken und nach außen bekannt machen, welche ihnen in ihrer dienstlichen oder amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sind.

MdB Karin Binder und DIE LINKE freuen sich, dass posthum Dr. Léon Gruenbaum geehrt wird.

Am 16. Oktober findet im Bürgersaal des Rathauses Karlsruhe die öffentliche Verleihung des Whistleblower-Preises 2015 statt. Zu Ehren des 2004 verstorbenen deutsch-französischen Physikers Dr. Léon Gruenbaum wurde Karlsruhe als Veranstaltungsort gewählt. Er erhält den Posthum-Whistleblower-Ehrenpreis. Die Whistleblower-Preisträger 2015 sind der ehemalige US-Drohnenpilot Brandon Bryant und der Molekularbiologe Prof. Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen (Frankreich).

Dr. Léon Gruenbaum erhält in diesem Jahr den erstmals vergebenen Posthum-Whistleblower-Ehrenpreis. Er ist ein früher am Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) beschäftigter deutschfranzösischer Physiker, der als NS-Verfolgter („survivor child“) gegen rassistische und NS-affine Äußerungen des administrativen KfK-Geschäftsführers Dr. Rudolf Greifeld protestiert hatte und deswegen nicht weiterbeschäftigt wurde. Bei der Würdigung von Gruenbaums Wirken geht es um sein Aufdecken von Greifelds Wehrmacht-Unrecht 1941-42 im besetzten Paris. Seit 1969 ist Greifeld Ehrensenator der Universität Karlsruhe (KIT), wofür bereits seit 3 Jahren die Annullierung gefordert wird. Es geht auch um Gruenbaums Arbeiten zu den Verstrickungen des KfK-Vorläufers in die Weiterverbreitung von Atomwaffen.

Brandon Bryant war in den Jahren 2006 bis 2011 bei der US Air Force als Drohnenpilot im Einsatz. Nach einer Zeit schwerer Gewissenskonflikte gab er aus eigenem Entschluss seinen Dienst auf und schied im Juli 2011 aus den US-Streitkräften aus. Er hat aus ethischen Gründen den globalen geheimen US-Drohnenkrieg abgelehnt, insbesondere die damit verbundenen unzähligen zivilen Opfer und auch die schweren psychischen Folgen für die an den Tötungen beteiligten Drohnenpiloten. Er wollte dies nicht länger mit verantworten und bedauert heute seine frühere Mitwirkung an diesen extra-legalen Tötungen zutiefst. Brandon Bryant deckte als Insider ab Dez. 2012 in zahlreichen Interviews auf, wie dieser globale Drohnenkrieg geführt wird. Er hat dabei öffentlich die zentrale Funktion der US-Air-Base Ramstein enthüllt. Bei den Enthüllungen nahm er dienst- und strafrechtliche Verfolgung und drohende soziale Isolation in Kauf.

Prof. Dr. Gilles-Eric Séralini hat als Wissenschaftler an der Universität Caen, Frankreich, als erster bei einem zweijährigen Tierversuch die Giftigkeit und die tumorauslösende Wirkung des weltweit am häufigsten verwendeten Herbizids Glyphosat festgestellt. Unmittelbar nach der Veröffentlichung seines Forschungsberichts im Jahre 2012 ist er in einer Kampagne „interessierter Kreise“ aus der Chemieindustrie vehement angegriffen worden. Das führte zur Zurückziehung der Veröffentlichung durch den Herausgeber der Zeitschrift wegen „Unschlüssigkeit“ („inconclusiveness“) und damit zur Nichtzitierfähigkeit. Prof. Séralini gelang es, seine Studie 2014 in einer anderen Zeitschrift zu veröffentlichen. Daraus konnte die Weltgesundheitsorganisation WHO Erkenntnisse gewinnen und in einer anderen Expertise über die tumorauslösende Wirkung hinaus bewiesen werden, dass viele dieser Tumore bösartig sind. Allen wissenschaftlichen und persönlichen Angriffen setzte Prof. Séralini auf hohem wissenschaftlichem Niveau mit großer Ausdauer und Entschiedenheit seine Argumente entgegen. Damit ist erneut sichtbar geworden: Der Erhalt unserer Gesundheit ist von Whistleblowern abhängig.