Wohnungsnot in Karlsruhe vorprogrammiert? – Bis 2030 fehlen 20.000 Wohnungen in Karlsruhe

23. Februar 2018  Allgemein, Gemeinderat, Karlsruhe

Zwei Drittel der Karlsruher Haushalte müssen 30 – 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aufwenden. Indikatoren für bezahlbare Mieten in einer Stadt sind der Bestand und Neubau an Wohnungen, die an eine Mietpreis- und Belegungsbindung („Sozialwohnungen“)  gekoppelt sind. Das Pestel-Institut ermittelte 2013 im Auftrag der Stadt Karlsruhe, dass für 1.000 Einwohner einen Bedarf an 87 Sozialmietwohnungen besteht. Demnach hatten in Karlsruhe 25.600 Haushalte einen Anspruch auf eine Sozialwohnung.

Aus der Antwort der Stadt auf die Anfrage der LINKE-Stadträte nach Bestand und Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Karlsruhe geht nun hervor: ” Waren es 1990 noch rund 11.900 geförderte Wohnungen mit Preisbindung, gab es 2016 nur noch 3.600, erfuhren sie auf Anfrage. Der Fehlbedarf bis 2030 lasse sich schwer schätzen, da zu Haushalten mit geringem Budget keine zuverlässigen Angaben vorlägen. Insgesamt fehlten auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt bis 2030 jedoch 20.000 Wohneinheiten.” (Stadtzeitung, 23.02.2018)

Über Jahre wurde der Bedarf an gehobenen Wohneinheiten befriedigt – auch von der städtischen Volkswohnung. Versäumt wurde es, in den sozialen Wohnungsbau und bezahlbaren Wohnraum zu investieren. Dazu wird es den Menschen mit geringem Einkommen durch die unsozialen Sparmaßnahmen der Kommune auch noch schwerer gemacht, teure Mieten zu bezahlen. Gerade hat die Stadt Karlsruhe stolz von außerplanmäßigen Millioneneinnahmen berichtet. Diese sollen in die großen Investitionsprojekte der Stadt fließen. Eine sehr viel notwendigere Investition der Stadt wäre der Aufkauf von Grundstücken und die Förderung vom sozialen Wohnungsbau.

Wie nötig das ist, zeigt folgender Passus der Antwort: “2016 waren bei der Volkswohnung insgesamt 5.036 Wohnungssuchende registriert, wobei nicht alle Registrierten Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein zum Bezug einer preis-gebundenen Wohnung besaßen. In 2.407 Fällen erhielten Karlsruher Haushalte einen Wohngeldzuschuss zu ihrer Miete; im Schnitt betrug der Wohngeldzuschuss 175 Euro pro Haushalt im Monat. Von den Wohngeldbeziehenden entfiel mit 34,7 % rund ein Drittel auf Beschäftigte (855 Personen); 42,7 % waren Haushalte, die bereits Rente bezogen, 9,8 % Studierende und Auszubildende, 5,9 % Arbeitslose, 1,7 % Selbständige und 5,1 % sonstige Fälle. Sowohl die Zahl der gemeldeten Wohnungssuchenden als auch die Zahl der Wohngeldempfängerhaushalte bieten also lediglich eine gewisse Orientierung.”

Hier geht es zur Anfrage und Antwort der LINKE-Stadträte